INDUKTIVE LADESYSTEME IM ÖPNV

Eine Lösung für die Elektromobilität im ÖPNV?

Die Eleganz der induktiven Ladesysteme besteht darin, dass sie weder Ladesäulen, Kabel noch Leitungen benötigen. Statt dessen stellen sie ihre Leistung über magnetische Wechselfelder zwischen Ladestation und Verbraucher bereit. Das Grundprinzip: Ein Strom in der Primärspule bringt ein Magnetfeld hervor, das die unter einem Fahrzeug installierte Sekundärspule durchsetzt. Dort entsteht eine Induktionsspannung und letztlich ein Strom. Das durch diesen Strom erzeugte magnetische Feld überlagert sich mit dem Feld der Primärspule. Auf diese Weise wird der Strom übertragen.

Wie das in der Praxis funktioniert, lässt sich in der Niedersachsen-Metropole Braunschweig begutachten. Dort ist seit dreieinhalb Jahren ein System von Bombardier am Start, das der unter dem Label Primove firmierende Geschäftsbereich Elektromobilität entwickelt hat. Konkret handelt es sich dabei um ein halbes Dutzend elektrischer Zwölfmeterbusse und Gelenkbusse von Hersteller Solaris. Die Schnellladung erfolgt an drei Haltestellen auf dem Linienweg, an denen sich unter der Fahrbahn die Spulen für das elektromagnetische Feld befinden. Das System tritt in Aktion, sobald der Bus die vorgesehene Position an der Haltestelle erreicht. Der Ladevorgang endet, wenn der Fahrer die Haltestelle wieder verlässt. Das System selbst arbeitet mit einer veritablen Ladeleistung von bis zu 200 Kilowatt. Im Vergleich zu dieser Hochleistung stellt eine Haushaltssteckdose gerade mal eine Ladeleistung bis zu 3,7 Kilowatt bereit.

Dynamische Induktion für Transportunternehmen

Ein induktives System könnte sich auch für elektrische Taxis und Carsharing-Fahrzeuge anbieten. Diese Autos sind in erster Linie im Stadtbereich unterwegs und warten bis zur Buchung an definierten Haltepunkten. Die Wartezeit ließe sich also für das Laden der Akkus nutzen. Die induktive Technik zur Ladung von Elektrofahrzeugen ist allerdings nicht auf stationäre Systeme beschränkt. Bombardier Primove hat vor einigen Jahren in Mannheim bereits ein dynamisches Ladesystem erfolgreich gestestet. Der Protagonist des Versuchs war ein zehn Tonnen schweren Scania Verteiler, der mit rund 70 Stundenkilometern auf der Versuchsstrecke unterwegs war. In die Fahrbahn der Strecke eingelassen waren vier hintereinander angeordnete 20 Meter lange Ladesegmente, die sich bei der Überfahrt automatisch zu- und abschalteten. Dabei betrug die Ladeleistung bis zu 200 Kilowatt. Wie es heißt, ging es den Primove-Ingenieuren um die technische Konfiguration eines solchen Systems im Hinblick auf den Abstand zwischen den Ladeschleifen, die Länge der im Boden verbauten Antennen und die Spurtoleranz.

Mit einer entsprechenden Ausstattung der Betriebshöfe von Busunternehmen, Speditionen und Großkunden könnte ein dynamisches Induktionssystem dazu beitragen, die Reichweite von Bussen und Verteilerfahrzeugen im städtischen Bereich zu optimieren. Auf Autobahnen und Landesstraßen dürfte die Technologie aber kaum zum Einsatz kommen. Es sind in erster Linie die Kosten, die dem entgegen stehen.

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