Langendorf startet mit Wielton durch

Langendorf offeriert seinen Kunden ein vielfältiges Programm an Trailern. Beim Bau von Glastransportern ist Langendorf unbestritten die Nummer eins im Markt.

Der Trailerspezialist Langendorf aus Waltrop hat Ambitionen auf die Champions League. Tatsächlich funktioniert das Nutzfahrzeuggeschäft manchmal genauso wie der Fußball. In der Champions League jedenfalls können Topteams nur dann auf Dauer vorne mitspielen, wenn sie sich immer wieder mit neuen Spielern verstärken. Dieser Regel folgt auch die Wielton-Gruppe aus dem polnischen Wieluń, die sich in Europa mit ihren Anhängern, Aufliegern und Fahrzeugen für Straße und Landwirtschaft zu den großen Drei der Branche zählt. Damit das in Zukunft so bleibt, haben die Polen vor zwei Jahren mit der Übernahme von Fruehauf in Frankreich und Italiana Rimorchi in Italien das Produktprogramm kräftig ausgebaut. Jetzt kommt als jüngste Neuerwerbung Langendorf aus Waltrop dazu.

Langendorf hat jetzt starke Rückendeckung

Die Münsterländer sind nach einer wirtschaftlichen Achterbahnfahrt mit der in Eigenverwaltung gemanagten Insolvenz in 2013 wie ein Phönix aus der Asche auferstanden und haben im letzten Jahr rund 1.000 Fahrzeuge auf die Räder gestellt. Mit den Innenladern für Flachglas (Floatliner) und Bau-Fertigelemente (Flatliner) sowie mit dem Doppelstock–Innenlader (Flexliner) ist Langendorf in Europa die Nummer eins in diesem Segment. Neben Tiefladern und Spezialfahrzeugen bringt Langendorf in die Wielton-Gruppe eine florierende Kipper-Sparte ein, in der sie mit viel Know-how über die Isolation der Fahrzeuge aufwarten. Der im Mai 2017 abgeschlossene Deal sieht vor, dass Wielton 80 Prozent der Anteile von den verschiedenen Gesellschaftern übernimmt. Der Rest bleibt beim bisherigen geschäftsführenden Gesellschafter Dr. Klaus Strautmann, der bis zu seinem Ausstieg aus dem Unternehmen in 2022 seine Anteile in jährlichen Fünf-Prozent-Paketen an den Mehrheitseigner übergibt.

Langendorf steht für eine internationale Firmenkultur

Für Langendorf bedeutet die Übernahme die Internationalisierung der Firmenkultur. Wie es heißt, klappt die Zusammenarbeit zwischen Waltrop und Wieluń bereits ausgezeichnet. Die Einkäufer stimmen sich derzeit gemeinsam über Lieferanten und Preise ab. In den Entwicklungsabteilungen stehen neben der Vereinheitlichung der zugekauften Komponenten neue technologische Lösungen und Produkte auf der Agenda. Ein wichtiges Arbeitsfeld sind hier die Kipper. Langendorf hat mit seinen auf Langlebigkeit und Werterhalt ausgelegten Fahrzeugen zwar ein starkes Produkt im Programm. Allerdings gingen diese Vorteile bislang stets auf Kosten eines höheren Fahrzeuggewichts. Hier zeichnet sich jetzt ein neuer Ansatz ab. Da Wielton über jede Menge Expertise in Sachen Leichtbau verfügt, ist es denkbar, dass Langendorf die Aufbauten der Kipper übernimmt und Wielton das leichtere Chassis dazu liefert.

Langendorf bleibt auch  nach der Übernahme für die Kunden sichtbar

Eine Gretchenfrage in der aktuellen Phase lautet, unter welchem Label Wielton seine Fahrzeuge künftig an den Kunden bringt. Tatsächlich würfelt der neue Eigentümer die Portfolios seiner Marken nicht einfach zusammen. Das Markenmanagement sieht vor, dass Langendorf für die Kunden auch als Teil der Wielton-Gruppe deutlich sichtbar bleibt. Wielton folgt hier der Strategie „Ein Land, eine Marke“. Das besagt, dass nach Möglichkeit in jedem Land die jeweils bekanntere Marke zur Wahl stehen sollte. Bei den Kippern könnte das heißen, dass Wielton auf einen eigenen Markenauftritt in Deutschland verzichtet. Statt dessen wird Langendorf diese Fahrzeugkategorie unter dem eigenen Markennamen anbieten. Umgekehrt dürften die Kipper in Polen dann unter dem Namen Wielton an den Start gehen. Auf dem französischen Markt wiederum würde Langendorf-Technologie unter dem Label Fruehauf zur Verfügung stehen.

Ein veritabler Vollsortimenter in Waltrup

Das gemeinsame Programm mit Wielton macht Langendorf in Deutschland auch zu einem veritablen Vollsortimenter. Kunden können beim Händler künftig zum Beispiel einen Schiebegardinenauflieger ordern. Allerdings wird es in den Langendorf-Stützpunkten für die Marken Langendorf und Wielton jeweils eigene Verkäufer geben. Da beide Hersteller jeweils eigene Zielgruppen ansprechen, ist es gut möglich, dass die Kunden von Langendorf vom Verkäufer mit Jeans und Stiefeln, die Kunden von Wielton von einem Mitarbeiter mit Anzug in Empfang genommen werden. Den Langendorf-Mitarbeitern in Produktion, Vertrieb und Service dürfte in der Integrationsphase wenig Zeit für Muße bleiben. Das Management in Wieluń hat dem Konzern für die nächsten beiden Jahre ein ambitioniertes Wachstumsprogramm verordnet, das seine Präsenz in den europäischen Märkten stärken soll.

Wielton und Langendorf wollen behutsam wachsen

Das gilt auch für Deutschland. Andererseits weiß man, dass sich der größte Markt in Europa nicht mit wehenden Fahnen überrennen lässt. Wielton will daher hierzulande seine Position mit der Hilfe von Langendorf behutsam aufbauen. Bis 2020 steht ein Platz unter den fünf größten Herstellern auf der Wunschliste. Für Langendorf heißt das konkret, dass quer durch das komplette Produktprogramm des Konzerns rund 2.500 Fahrzeuge im Jahr ihre Käufer finden sollen. Bleibt am Ende die Frage: Wie geht’s weiter mit der Wielton GmbH in Weilerswist, die bislang den deutschen Markt betreut hat? Zwei Optionen bieten sich den Wielton-Chefs zufolge an: Die Liquidation des Unternehmens oder der Einstieg in das landwirtschaftliche Geschäft.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.