Mercedes Vito mit „E“

Mercedes-Benz elektrifiziert Transporter

Mercedes-Benz Vans will in naher Zukunft seine komplette gewerbliche Transportsparte mit elektrischen Antrieben aufrüsten. Der erste Vertreter der neuen Generation ist der Mercedes-Benz eVito, den der Hersteller Mitte November in Berlin vorgestellt hat.

Mercedes Benz eVito auf Testfahrt

Instrumententafel Mercedes Benz Vito

Mittlerweile in der dritten Generation gebaut, ist der mittelgroße Transporter eine bekannte Größe in vielen Fuhrparks. Vermutlich war es daher eine kluge Entscheidung, das neue Fahrzeug ohne großen Pomp auf die Bühne zu bringen. Dass Daimler elektrische Transporter für die Serie auf die Räder stellen kann, weiß man ohnehin. Gerade mal acht Jahre ist es her, seit die Schwaben den Vito E-Cell eingeführt haben. Dem Transporter war allerdings mit lediglich 1.000 verkauften Einheiten nur eine bescheidene Karriere bis 2014 vergönnt. Jetzt nimmt der Hersteller mit eVito einen zweiten Anlauf.

Die Hausaufgaben dafür sind gemacht. Batterie, Gewicht, Kosten und Reichweite haben die Ingenieure im Griff. Auch die Nachfrage auf Kundenseite stimmt. Eine Schlüsselrolle spielt hier der Paketdienstleister Hermes. Das Unternehmen hat bereits eine Order für rund 1.500 elektrische Einheiten der Baureihen Vito und Sprinter erteilt, die bis 2020 geliefert werden sollen. Damit ist die kritische Masse erreicht, die Daimler für eine wirtschaftliche Serienproduktion benötigt.

Die beste Lösung auf dem Markt gewinnt

„Der elektrische Antrieb im Transporter hat nur dann eine Chance, wenn das Fahrzeug den Kunden einen Mehrwert bietet“, sagt Volker Mornhinweg, Leiter Mercedes-Benz Vans. Sein Credo: nicht die erste Lösung auf dem Markt gewinnt, sondern die beste. Was dem Manager vorschwebt, ist gewissermaßen ein technologisches Ökosystem, das maßgeschneiderte Lösungen für die Kunden ermöglicht. Daimler Fleetboard lässt grüßen: Flottenmanagement, Fahrstilanalyse, Wartung und Navigation, aber auch Services rund um Ladeinfrastruktur und Energiemanagement stehen den Elektro-Transportern künftig zur Seite.

Kommt jetzt also mit dem eVito eine weitere Zeitenwende für die Marke mit dem Stern? Bei Mercedes-Benz Vans ist man eher bemüht, das elektrische System nur als eine Antriebsvariante neben anderen zu positionieren. Dazu passt der Hinweis, dass der elektrische Vito im Transporterwerk im baskischen Vitoria am gleichen Band produziert wird wie seine konventionellen Brüder. Die Ansage ist klar: Der eVito ist einfach nur ein bewährter Transporter mit einem elektrischen Antrieb. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Die Komponenten für den elektrischen Antriebsstrang steuert zum größten Teil die Pkw-Sparte des Herstellers bei. Der 84 kW starke Elektromotor etwa stammt vom Brennstoffzelllen-SUV Mercedes-Benz GLC F-Cell. Die Lithium-Ionen-Batterien wiederum kamen ursprünglich im Hybridmodell der Mercedes-Benz S-Klasse zum Einsatz.

Seine Energie für den Fahrbetrieb bezieht der eVito aus drei parallel geschalteten Akkus mit einer Kapazität von rund 41 Kilowattstunden. Das komplette Paket ist rund 375 Kilogramm schwer und sitzt in einem Rahmen zwischen Achsen und Längsträgern unterm Chassis. Mercedes-Benz Vans gibt für den Transporter eine Reichweite von 150 Kilometern an, die auf Messungen nach dem neuen Fahrzyklus WLTP basieren. Selbst bei winterlichen Temperaturen und aktivierten Verbrauchern soll die Reichweite allenfalls auf rund 100 Kilometer abfallen. Der eVito wäre damit für einen Kep-Dienst auch unter ungünstigen Bedingungen im sicheren Bereich.

Der eVito punktet bei den Gesamtbetriebskosten

Und wie präsentiert sich der elektrische Transporter auf der Straße? Nach einigen Runden mit einem Vorserienfahrzeug über den ADAC Verkehrsübungsplatz Tegel lässt sich so viel sagen: Der eVito ist auf fast schon spektakuläre Weise unspektakulär. Die Instrumente im Armaturenbrett kommen ohne blinkende Anzeigen, Effekte und Animationen aus, die Kompetenz und Lifestyle suggerieren sollen. Es reicht ein einfacher Tacho auf der rechten Seite, daneben ein weiteres Instrument, das im unteren Bereich über die Stärke der Rekuperation informiert, während die Nadel im oberen Teil anzeigt, wie viel Prozent der elektrischen Leistung die Fahrt gerade in Anspruch nimmt. In der Mitte sitzt ein kleines Display, das den Ladestatus, die Länge der zurückgelegten Strecke und den Fahrmodus anzeigt.

Der Fahrer kann zwischen drei Fahrstufen wählen, die sich durch die Stärke der Rekuperation beim Bremsen und im Schubbetrieb voneinander unterscheiden. Der Wechsel zwischen den Modi erfolgt durch Paddel am Lenkrad. Links geht’s in den Modus mit starker Rekuperation, rechts lässt sich eine Fahrweise anwählen, bei der das Fahrzeug im Verkehr ohne größere Verzögerungswirkung mitsegelt. Den Bogen mit den Paddels hat man schnell raus. Auch wenn Fahrspaß kein Entwicklungsziel ist – es macht Laune, den eVito im Rekuperationsmodus mit dem Gaspedal durch die Kurven zu steuern. Obendrein belohnt der Antrieb einen defensiven Fahrstil. Wie es heißt, soll sich durch konsequente Rückgewinnung der Energie die Reichweite um 20 bis 30 Kilometer verlängern lassen. Gibt man dem Transporter einmal die Sporen, marschiert er bei einem mächtigen Drehmoment von 300 Newtonmetern kraftvoll nach vorne. Den Kunden stellt Daimler zwei verschiedene Höchstgeschwindigkeiten zur Wahl: Tempo 80 bietet sich für den reinen Stadtverkehr an, Tempo 120, wenn die Touren auch mal über eine Autobahn führen.

Zu guter Letzt lautet die Gretchenfrage, wie es der eVito mit den Gesamtbetriebskosten hält. Bei einer Laufleistung von 25.000 Kilometer im Jahr sieht Mercedes-Benz den Stromer mit dem Diesel absolut auf Augenhöhe. Die Stellgrößen dieser Rechnung sind ein Umweltbonus für den eVito von 4.000 Euro, ein Strompreis von 15 Cent pro Kilowattstunde und ein Kraftstoffpreis von einem Euro. Rund drei Jahre braucht es demnach, bis der elektrische Transporter die höheren Startkosten durch Einsparungen bei Verbrauch und Steuern eingefahren hat. Unter diesem Aspekt kann sich eine längere Haltedauer im Fuhrpark lohnen. An den Akkus dürfte das nicht scheitern. Acht bis neun Jahre sollen sie im günstigen Fall halten. Auch eine Garantie will Daimler dem elektrischen Vito auf den Weg geben. Allerdings steht noch nicht fest, welchen Zeitrahmen die Schwaben dafür vorsehen. Bestellen lässt sich der neue eVito übrigens schon heute. Die Auslieferung soll in der zweiten Jahreshälfte 2018 starten. Wer lieber mit einem elektrischen Sprinter liebäugelt, muss sich dagegen bis zum Marktstart Mitte 2019 gedulden.

Fahrbericht Mercedes Vito

 

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