TECHNIK: WIE FUNKTIONIERT PLATOONING?

Näher ran an der Vordermann auf der Autobahn. Das klingt erst mal nach keiner guten Idee. Es sein denn, eine ausgeklügelte Elektronik regelt die Abstände zwischen den Lkw. Platooning nennt sich die modernste Form der Kolonnenfahrt.

Manchmal herrschen auf der Autobahn Manieren wie einst im Wilden Westen. Einzelkämpfer fahren Stoßstange an Stoßstange, stets auf der Jagd nach dem besten Speed, der am Ende des Tages möglichst viele Kilometer auf dem Tacho stehen lässt. Näher ran an den Vordermann ist das Gebot der Stunde, dem sich jetzt auch die Lkw-Hersteller verschrieben haben. Allerdings folgt ihre Interpretation der Kolonne auf der Autobahn anderen Motiven und Regeln. Platooning nennt sich die neue Technologie, die eine erste Anwendung des automatisierten und autonomen Fahrens darstellt. Zwei, drei oder mehrere Lkw bilden dabei zusammen eine Art Fahrgemeinschaft, in der die einzelnen Fahrzeuge durch elektronische Systeme miteinander verbunden sind.

Die Eigenart eines elektronisch gekoppelten Lkw-Verbunds besteht darin, dass nur das vordere Fahrzeug die Spur und Geschwindigkeit der Fahrt bestimmt. Die folgenden Einheiten reagieren dagegen stets synchron zum Führungsfahrzeug. Tritt der Fahrer im vorderen Lkw auf die Bremse, bremst mit minimaler Verzögerung auch der ganze Verbund. Allerdings sind es nicht die Fahrer selbst, die ihre Bremse aktivieren. Das übernehmen die einzelnen Fahrzeuge in Eigenregie. Das Platooning soll den Autobahnverkehr sicherer machen und erhebliche Einsparungen beim Kraftstoffverbrauch ermöglichen. Die Rede ist von Vorteilen zwischen sieben bis zehn Prozent.

Tatsächlich kann Platooning heute schon funktionieren. Den Beweis hat vor knapp einem Jahr die „European Truck Platooning Challenge“ geliefert, bei der Teilnehmer aus Schweden, den Niederlanden, Dänemark, Belgien und Deutschland im Rahmen einer Sternfahrt in Zweier-Platoons nach Rotterdam gefahren sind. Mitten drin in der vom niederländischen Ministerium für Infrastruktur und Umwelt initiierten Feldversuch war DAF Trucks, mit hochkompetenten Partnern in den Bereichen drahtlose Kommunikation, Beratung und Software an Bord. Gemeinsam war man unter dem Namen „EcoTwin“ angetreten, um die Funktion das autonome Beschleunigen und Bremsen im aus zwei Fahrzeugen bestehenden Platoon zu testen. DAF hat dabei einen Abstand von 0,5 Sekunden zwischen den Fahrzeugen realisiert. Bei Tempo 80 entspricht das einem Abstand von gerade mal zehn Metern. Heute arbeitet DAF mit Hochdruck daran, die neue Technologie zur Marktreife zu bringen. Bereits 2020 erwarten die Niederländer handfeste Ergebnisse ihrer Entwicklungsarbeit.

Andererseits hatten Testfahrten in der vernetzten Kolonne bislang stets den Charakter eines Laborversuchs, der aus Gründen der Sicherheit nur unter exakt definierten Bedingungen und mit strengen Auflagen stattfinden durfte. Die eigentliche Bewährungsprobe im Alltag steht daher noch aus. Eine bislang eher unbekannte Größe sind die anderen Verkehrsteilnehmer auf der Autobahn. Das Konzept des Platoons sieht zwar vor, dass sich ein Konvoi vor Auf- und Abfahrten auflöst oder zumindest den Abstand zwischen den Teilnehmern im Platoon vergrößert. Wie Pkw-Fahrer damit zurecht kommen, wird sich jedoch erst noch zeigen müssen.

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