WIE FUNKTIONIERT EIN SCHUBBODEN?

Schubboden – eine Planke nach der anderen

Wenn sich das Ladegut über die gesamte Länge des Fahrzeugs scheinbar ohne jegliches Zutun nach hinten an die Ladekante schiebt, ist dabei keine Zauberei im Spiel, sondern eine ausgeklügelte Kombination aus Mechanik, Hydraulik, Haftreibung und Handwerk. Die Fahrzeugbauer installieren Schubböden in Aufliegern, Motorwagen und Hängern. Hier wie dort spielen sie ihre Stärken beim Entladen von Kartoffeln, Rüben und Getreide, Hausmüll, Schrott, Sand und Asphalt aus. Auch Palettenware und Papierrollen lassen sich damit laden und entladen. Die ersten Schubbodenfahrzeuge hat Keith Walking Floor aus dem US-Bundesstaat Oregon in den frühen 70ern auf die Räder gestellt. In Europa ist der im niederländischen Coevorden ansässige Hersteller Cargo Floor seit rund 30 Jahren mit der Entwicklung dieser Technologie zugange.

Das Markenzeichen des Schubbodens ist seine Beweglichkeit. In einem Auflieger besteht er in der Regel aus 21 dicht an dicht liegenden und miteinander verzahnten Planken, die sich im Betrieb präzise wie ein Uhrwerk vor und zurück schieben. Zuständig für diesen Rhythmus ist das mit dem Nebenantrieb des Lkw verbundene hydraulische Antriebssystem im vorderen Bereich des Aufliegers. Dieses sitzt meistens in einem Hilfsrahmen unter dem Chassis. Die wichtigsten Komponenten sind drei massive Kolbenstangen, Zylinder, hydraulische Leitungen und das Steuerventil. Die Verbindung zwischen Antrieb und Schubboden stellen drei seitlich versetzte Quertraversen dar.

Landwirte und Entsorger schwören auf die horizontale Entladung

Jede dieser Traversen ist von unten auf einer Kolbenstange fixiert. Auf der Oberseite sitzen über die ganze Breite verteilt sieben massive Führungen, die bei der Montage des Schubbodens jeweils mit einer Planke verschraubt werden. Die erste Planke sitzt dabei ganz außen auf Traverse eins, die zweite Planke auf Traverse zwei und die dritte auf Traverse drei. Alle weiteren Planken fixiert man auf die gleiche Weise, bis am Ende sieben Dreiergruppen besetzt sind.

Was den Schubboden in Bewegung versetzt, ist die sich wiederholende Abfolge von Kolbenhüben. Beginnt der Ladevorgang, verschiebt das System die erste Traverse mit allen darauf fixierten Planken. Gleichzeitig bleiben die beiden anderen Traversen in Ruhestellung. Das gleiche Prinzip gilt bei den folgenden Kolbenbewegungen. Da das Ladegut in diesen Phasen stets auf zwei ruhenden Planken liegt, bleibt es infolge der größeren Haftreibung an Ort und Stelle. Bewegung in die Sache bringt erst der vierte Schritt eines Arbeitstaktes. Die Steuerung zieht jetzt die Traversen gleichzeitig zurück in die Ausgangsposition. Daher bewegen sich alle Planken mitsamt dem darauf liegenden Ladegut gemeinsam. Dieser Zyklus wiederholt sich, bis sich die Ladung in der gewünschten Position befindet. Das Arbeitstempo hängt von der Leistung der hydraulischen Pumpe ab. Ein Auflieger mit 70 Kubikmetern zum Beispiel lässt sich mit einem Standardantrieb in rund sechs Minuten, mit einem schnelleren System in dreieinhalb Minuten leeren.

Ein wesentliches Konstruktionsmerkmal für einen Schubboden ist die Fixierung der Planken. Die klassische Variante arbeitet mit einem im rechten Winkel zu den Querträgern geschweißten Vierkant- oder Aluminiumrohr. Darauf werden dann meist über die gesamte Länge Gleitböcke aus Kunststoff als Führungen für die Planken aufgesteckt. Eine Gewicht sparende Alternative ist die Verwendung von Gleitkämmen. Hier kann der Einsatz der Rohre entfallen, da man die Führungen direkt auf den Querträgern befestigt. Die Planken selbst sind aus Aluminium, Stahl oder Kunststoff gefertigt. Design und Stärke der Profile hängen vom Einsatzzweck des Schubbodens ab. Knapp zwei Dutzend Profile listet Cargo Floor in seinem Katalog auf, darunter leckdichte Heavy Duty-Profile für die Abfallindustrie, die im 21-Planken-Auflieger zusammen immerhin rund 1.400 Kilogramm auf die Waage bringen.

Ein Schubboden steht für die Kombination aus Mechanik, Hydraulik und  Haftreibung

Bedienen lässt sich ein Schubboden entweder manuell oder in der Kombination mit einem elektrischen Schalter. Auch eine Fernbedienung steht in der Regel zur Wahl. Damit der Boden nicht entlädt wenn er eigentlich laden soll, muss der Fahrer im Vorfeld sicherstellen, dass die gewünschte Transportrichtung aktiviert ist. Die Türen des Fahrzeugs wiederum sollten stets offen sein, bevor die Hydraulikpumpe in Aktion tritt. Andernfalls stehen die Türen unter hohem Druck und das Ladegut würde mit dem Öffnen herausfallen. Darüber hinaus empfiehlt es sich beim Entladen von Schüttgut, das Fahrzeug zwischendurch zwei, drei Meter nach vorne zu bewegen. Das beschleunigt das Entladen, vermeidet die Überlastung des hydraulischen Antriebs und reduziert den Verschleiß des Bodens. Fachartikel Schubboden

Gleitkämme im Schubboden erlauben geringes Gewicht Schubboden gibt es auch in Gliederzügen Die Technik des Schubbodens mit Traversen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.