WIE EIN RADLAGER FUNKTIONIERT

Technischer Aufbau eines Radlagers Das Radlager von Schaeffler bei der Herstellung Das Radlager SmartSET beim Einbau

Schwerarbeit für Radlager

Radlager gehören im Nutzfahrzeug zu den wichtigsten Bauteilen der Radaufhängung. Sie sind Meisterwerke an mechanischer Präzision. Mit ihrer ausgeklügelten Rollreibung lassen sie die Räder leicht auf den Achsen drehen. Radlager übertragen die bei Antrieb, Bremsen und Kurvenfahrt an den Rädern auftretenden Kräfte auf die anderen Fahrwerksteile. Diese Kräfte können bei der Fahrt auf ein Vielfaches des Fahrzeuggewichts ansteige. Daher liegt es auf der Hand, dass Radlager im Hinblick auf die Sicherheit einen hohen Stellenwert besitzen.

Klassische Lager bringen hohe Laufleistungen

Klassische Kegelrollenlager bringen es in der Regel auf Laufleistungen von rund 300.000 Kilometern. Auf dem Ersatzteilmarkt gibt es sogar Radlagereinheiten, die für über eine Million Kilometer gut sind. Andererseits hängt die Lebensdauer eines Radlagers auch von den Einsatzbedingungen des Fahrzeugs ab. Extreme Belastungen beim Rangieren, das Überfahren von Bordsteinen und das Drehen eines Trailers auf engstem Raum können einem Radlager zusetzen. Läuft das Lager aufgrund von Verschleiß nicht mehr rund, kann das fatale Folgen haben.

Unfallursache heiß gelaufene Radlager

Tatsächlich muss die Feuerwehr immer wieder ausrücken, um einen brennenden Lkw oder Auflieger zu löschen. Eine häufige Ursache für das Malheur sind blockierende, fest gefahrene und heiß gelaufene Radlager. Einschlägige Statistiken der Lagerhersteller belegen, dass rund 55 Prozent der Ausfälle aufs Konto unzureichender Schmierung gehen. Für rund 16 Prozent sind Verunreinigungen verantwortlich. Demnach stehen hier auch die Nutzfahrzeugwerkstätten in der Pflicht, mit korrektem Einbau und akkurater Wartung die Weichen für die optimale Laufleistung der Radlager zu stellen. Auch die Fahrer können mit einem gelegentlichen Check der Temperaturen an den Felgen auf Nummer Sicher gehen. Eine heiße Felge ist ein Indiz dafür, dass es ein Problem mit dem Radlager oder der Bremse gibt.

Kegelrollenlager ist die typische Bauform

Die typische Bauform eines Radlagers für Lkw, Trailer und Omnibusse ist das einreihige Kegelrollenlager. Die grundlegenden Komponenten sind zwei Lagerringe mit gehärteten Laufbahnen aus Stahl für die Kegelrollen, die ein aus Stahlblech oder Kunststoff gefertigter Käfig im Inneren des Lagers in Position hält. Die Kegelrollen (Wälzkörper) besitzen aufgrund ihrer Geometrie im Verhältnis zur Lagerachse sehr gute Rolleigenschaften. Die Lager sind daher besonders dafür geeignet, neben den radialen auch die längs der Achse wirkenden Kräfte aufzunehmen. Da letzteres aber nur in einer Richtung funktioniert, braucht es ein zweites Lager zur Gegenführung der Kräfte. Die Radlager sitzen daher stets in doppelter Ausführung als inneres und äußeres Radlager in der Radnabe, die ihrerseits an den Enden des Achskörpers ihren Platz hat.

Schaeffler hat das FAG SmartSET eingeführt

Bei der Erstausrüstung der Nutzfahrzeuge kommen häufig Standard-Kegelrollenlager zum Einsatz. In dieser Ausführung ist der Außenring nicht mit dem Rest des Wälzlagers verbunden. Der Mechaniker muss daher Außenring und Innenring mitsamt Käfig und Wälzkörpern getrennt montieren. Mittlerweile geht der Trend jedoch hin zu wartungsfreien und lebensdauergeschmierten Einheiten. Dabei findet die Evolution der Lagertechnologie in erster Linie im Ersatzteilmarkt statt. Eine innovative Bauform hat der Zulieferer Schaeffler mit dem FAG SmartSET eingeführt. Das Set enthält ein Radlagerpaar, das bereits zum Einbau in die Nabe vorbereitet ist. Die Komponenten entsprechen im Prinzip der klassischen Bauform. Innen- und Außenring warten mit einer speziellen Brünierung auf, die das Lager vor Korrosion, Schlupfschäden und Rissbildung schützen soll. Ein Schlüsselelement ist der glasfaserverstärkte Kunststoffkäfig. Er ist im oberen Bereich mit seitlich angebrachten Halteklammern bestückt, die Innenring und Wälzkörper fest mit dem Außenring zu einer Einheit verbinden. Die Schmierung des Lagers erfolgt bei der Produktion und ist für die gesamte Lebensdauer ausgelegt. Ein Staubschutzdeckel verhindert das Eindringen von Schmutz.

Vorteile des SmarSET

Der Charme der Konstruktion besteht darin, dass sich bei einer Bremsenreparatur die Radnabe zusammen mit den Radlagern demontieren lässt. Die Lager bleiben dabei als Einheit in der Nabe. Dadurch entfällt das bei Standardkegelrollenlagern notwendige Ent- und Befetten der Nabe oder der Austausch des Wellendichtrings. Unterm Strich geht die Arbeit in der Werkstatt auf diese Weise bis zu zwei Stunden schneller über die Bühne. Einen Fuhrparkchef dürfte das freuen. Schließlich sparen ihm verringerte Standzeiten Zeit und Geld. Eine gedruckte Version zum Thema Radlagerung finden sie hier.

 

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