Zukunftsforschung – BMW Group

Zukunftsforschung bei BMW

Der Traum jedes Autoherstellers wäre es, die Zukunft heute schon zu kennen. Die BMW Group leistet sich daher ein eigenes Forschungsinstitut, das die Mobilitätstrends von Morgen unter die Lupe nehmen soll.

Angeblich gehört die Zukunft denen, die Möglichkeiten erkennen, bevor sie offensichtlich werden. Bei BMW sieht es derzeit so aus, als hätte sich die Münchener bei der Entwicklung der Baureihe BMW i von eben dieser Einsicht leiten lassen, die dem irischen Dichter Oscar Wilde zugeschrieben wird. Die Strategen im Vierzylinder am Olympiapark sind jedenfalls davon überzeugt, dass dem Elektroantrieb hierzulande in den nächsten 15 bis 20 Jahren vor allem in städtischen Gebieten eine beachtliche Karriere bevorsteht. Bis zum Jahr 2030, so ein aktuelles Szenario des Herstellers, würden technologische Durchbrüche in der Speichertechnologie die Reichweite und Ladezeiten der Fahrzeuge deutlich verbessern. Die meisten Besitzer eines vollelektrischen BMW laden demnach in Zukunft die Batterie auf dem Stellplatz zu Hause, beim Arbeitgeber oder in der Tiefgarage. In bevölkerungsstarken Ballungsräumen werde es zudem eine Infrastruktur mit Ladestationen geben.

Der Erfolg der Elektromobilität ist programmiert

Von der nüchternen Gegenwart in Sachen Elektromobilität ist diese Zukunft aber noch meilenweit entfernt. Trotzdem steckt hinter diesem Szenario kein Wunschdenken. Die Zuversicht der weißblauen Marke über den Erfolg der Elektromobilität speist sich vor allem aus den Erkenntnissen solider Wissenschaft und Forschung. Tatsächlich leistet sich BMW eine eigene Forschungseinrichtung, die gewissermaßen den Auftrag hat, die Tür zur Zukunft stets einen Spalt weit offen zu halten. Das Institut für Mobilitätsforschung in München (ifmo) schreibt sich eine verkehrsträgerübergreifende, interdisziplinäre und internationale Perspektive in Sachen Mobilität auf die Fahne. Ein Markenzeichen sind die bis in Detail ausgearbeiteten Zukunftsbilder, die auf aufwändigen sozioökonomischen und psychologischen Forschungen beruhen. Diese Studien stellt BMW auch der Öffentlichkeit zur Verfügung. Allerdings steckt hinter der Offerte kaum der pure Altruismus. Dem Autohersteller geht es letztlich darum, mögliche Änderungen im Mobilitätsverhalten einer Gesellschaft zu erkennen und sich rechtzeitig darauf einzustellen. Bei der Entwicklung der Elektromobilität der Marke BMW i hat das Institut seine Finger aber nicht im Spiel. „Wir befassen uns mit vielen Facetten der Mobilität. Produktempfehlungen stehen jedoch nicht auf unserer Agenda“, erklärt Institutsleiterin Dr. Irene Feige, die auf einer Fachkonferenz Ende letzten Jahres in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften in Berlin aktuelle Forschungsergebnisse ihres Hauses vorstellte.

Die Generation Y hat eigene Mobilitätsmuster

Jede Menge Stoff zum Grübeln dürfte den BMW Managern eine Studie bieten, die das Verkehrsverhalten junger Erwachsener zwischen 18 und 34 Jahren in Ländern wie Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Norwegen und Japan in den Blick nimmt. Diese Altersgruppe kommt zwar erst auf mittlere Sicht als Kunden des Herstellers in Frage. Andererseits unterscheidet sie sich in ihren Mobilitätsmustern von der vorausgehenden Generation. Besonders deutlich zeigt sich diese Entwicklung in Deutschland. In der so genannten Generation Y hat das Auto nicht mehr den gleichen hohen Stellenwert für die Mobilität wie noch zur Jahrtausendwende. Gleichzeitig nimmt die Verkehrsleistung junger Erwachsener mit dem Pkw deutlich ab. Die Studie zeigt, dass dies zu etwa einem Drittel durch eine Abnahme des Fahrzeugbesitzes verursacht ist, während etwa zwei Drittel auf ein verändertes Mobilitätsverhalten von Pkw-Besitzern zurückgeht. Bei der Wahl der Verkehrsmittel steht vor allem das Fahrrad hoch im Kurs. Im Regional- und Fernverkehr hingegen nimmt der Anteil von Bus und Bahn deutlich zu. Unterm Strich setzen die jungen Erwachsenen bei der Wahl ihrer Verkehrsmittel konsequent auf Multimodalität.

Männer sitzen immer öfter auf dem Beifahrersitz

Aber auch bei der Nutzung des Autos ist diese Generation für eine handfeste Überraschung gut. Wie die Wissenschaftler herausgefunden haben, sitzen Männer längst nicht mehr nur am Steuer, sondern treten immer öfter auch als Mitfahrer in Erscheinung. Im Hinblick auf Pkw-Besitz, Verkehrsleistung und Verkehrsmittelnutzung gibt’s nach Erkenntnissen der Forscher keine Unterschiede zwischen den Geschlechtern mehr. Offen lässt die Studie allerdings die Frage, wie sich Multimodalität und verändertes Rollenverhalten in Zukunft auf die Bereitschaft zur Anschaffung und Nutzung eines neuen Pkw auswirkt. „Wir wissen nicht, ob diese jungen Erwachsenen die identifizierten Verhaltensmuster auch in späteren Lebensphasen beibehalten. Es kann sein, dass die Generation mit der Familiengründung eher wieder auf das Verhalten der Eltern einschwenkt. Vielleicht bestimmt aber auch die Nutzung vielfältiger Verkehrsmittel weiterhin die Mobilität dieser Generation“, beschreibt Dr. Irene Feige die Spannbreite der Möglichkeiten.

Handlungsfelder einer zukunftsfähigen Mobilität

Auch auf die Frage nach den Handlungsfeldern für eine zukunftsfähige Mobilität in Deutschland hat das Institut für Mobilitätsforschung handfeste Antworten. Die Autoren der aktuellen Zukunftsstudie zählen dazu die Reduktion des Ressourcenverbrauchs für Mobilität, ökonomische Optimierungen, technologische Innovationen sowie eine effizientere Gestaltung des gesamten Verkehrssystems. Auf einem anderen Blatt steht jedoch, welche Schlussfolgerungen die Strategen in den Führungsetagen des Autoherstellers für die Zukunft ziehen. Die Konturen für ein neues Selbstverständnis der BMW Group als Mobilitätsanbieter zeichnen sich jedenfalls schon heute ab. Der Verkauf der Fahrzeuge über den Autohändler dürfte demnach künftig nur einen Baustein in einem breiter angelegten Geschäftsmodell darstellen. Eine maßgebliche Rolle wird darin das Carsharing spielen, das dann auch die Elektrofahrzeuge des Konzerns einbezieht. „Die Entwicklung der Mobilität unterliegt einer enormen Dynamik. In den nächsten zehn Jahren wird es mehr Veränderungen geben als in den letzten hundert. Allerdings können wir als Hersteller nicht alle Herausforderungen alleine stemmen“, weiß BMW-Markenvorstand Peter Schwarzenbauer. „In Zukunft geht es nicht mehr darum, wer die Macht über den Kunden hat, sondern wie sich die Mobilität über alle Verkehrsträger hinweg gemeinsam am besten managen lässt.“

 

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